Was nach einer klassischen Zeitungsente im Sommerloch klingt, ist vielerorts Realität: Tümpel und Seen werden von Amphibien mit überzähligen Beinen bevölkert. Kinder, die den Froschkönig suchen, finden Monster aus Science Fiktion Filmen.
Das Phänomen der Missbildungen an Fröschen, Kröten und Salamandern wird bereits seit den 1990er Jahren beobachtet und gilt als eine der Ursachen für die weltweite Abnahme der Amphibien.
© R. Thormann
Bei einer Rate von bis zu 25 Prozent an missgebildeten Tieren, die zu einer leichten Beute für Fraßfeinde werden, ist eine ernsthafte Bedrohung für manche Amphibienpopulationen zu erkennen. Die Ursachen für die Schädigungen bei der Entwicklung der Amphibien, die bislang bei über sechzig Arten in 46 Staaten beobachtet wurden, sind vielfältig. Neben der ultravioletten Strahlung, die Augenschäden hervorrufen kann, standen bislang vor allem Chemikalien aus der Landwirtschaft als Verursacher im Verdacht. Dass die menschgemachte Chemie für die Ausbildung überzähliger Beine verantwortlich ist, konnte jedoch bislang nicht nachgewiesen werden.
Ursache für diese Form der Mißbildung sind vielmehr Parasiten, genauer der Saugwurm Ribeiroia ondatrea, der Wasserschnecken als Zwischenwirt nutzt, so die Meldung von Amphibienforschern in der Aprilausgabe von "Spektrum der Wissenschaft". Die Wurmlarven aus der Schnecke befallen die Kaulquappe und stören die Entwicklung der Beine durch Bildung einer Zyste am Beinansatz. Die vielbeinigen Frösche, jetzt leichte Beute für Storch und Reiher, werden gefressen. Der Parasit reift jetzt im Vogel heran, die Eier werden mit dem Kot ausgeschieden und beginnen einen neuen Lebenzyklus in der Schnecke.
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Müssen wir Menschen also gar kein schlechtes Gewissen haben und haben die Missbildungen ganz natürliche Ursachen? Leider weit gefehlt, vielmehr handelt es sich hier um ein anschauliches Beispiel dafür, wie schwer Eingriffe in die Welt um uns herum zu durchschauen sind.
Viele Schnecken finden sich nämlich dort, wo die Gewässer durch Überdüngung eutrophiert sind. Viel Gülle bedeutet letztendlich viele Schnecken im Gewässer. Wo viele Schnecken sind, sind viele Zwischenwirte für den Parasiten und das heißt viele Frösche mit vielen Beinen.
Die bedrohliche Seuche der Amphibien ist also menschenverursacht und eine Warnung vor der Verharmlosung von immer drastischeren Veränderungen in unserem Lebensraum. Hoffen wir, dass uns nicht alle Froschkönige (und Froschköniginnen) verloren gehen.
Text: Ralf Thormann