Unsere heimischen Wildsträucher bieten einen optimalen Lebensraum für viele Tiere und sind zudem anspruchsloser und widerstandsfähiger gegen witterungsbedingte Einflüsse und Schädlinge als die meisten exotischen Gewächse. Warum also nicht zu Wacholder, Haselnuss oder Heckenkirsche greifen, um die Terasse vor den neugierigen Blicken der Nachbarn zu schützen oder mit ein paar Büschen ein wenig Struktur in Ihren Garten zu bringen?
Blühende Hecht-Rose. © P. Scheewe, NABU
Zu den hier heimischen Wildsträuchern gehören unter anderem Eberesche, schwarzer Holunder, Traubenholunder, Weißdorn, Schlehe, Pfaffenhütchen und gemeiner Wacholder. Aber auch Wildhimbeere und -rose, Haselnuss und Heckenkirsche eignen sich für hiesige Gärten. Entschließt man sich, eine ganze Hecke anzulegen, sollte eine Mischhecke bevorzugt werden, die aus mehreren Arten besteht. Natürlich ist für jeden Gartenstandort etwas dabei. Weißdorn und Wildrose lieben es sonnig. Haselnuss und Pfaffenhütchen bevorzugen einen halbschattigen Ort und die Heckenkirsche wächst sogar im Schatten.
Optimal, um im Garten Sträucher zu pflanzen und Hecken anzulegen, ist die kalte Jahreszeit, denn Laubgehölze und sommergrüne Sträucher werden am besten zur Zeit der Saftruhe gepflanzt, also vom Laubfall im Herbst bis zum Austrieb der Blätter im Frühjahr. Eine zeitige Herbstpflanzung ist jedoch vorteilhafter als eine späte Frühjahrspflanzung.
Schwarzer Holunder. © P. Scheewe, NABU
Schmeckt Tieren...
Nicht nur Vögel ernähren sich von den Früchten dieser Sträucher. Säugetieren wie dem Siebenschläfer oder verschiedenen Mäusen schmecken sie ebenfalls und selbst Fleischfresser wie Fuchs und
Marder sehen Beeren und Früchte als willkommene Abwechslung auf ihren Speiseplan.
Ganz oben auf der Liste der bei Tieren am begehrtesten Früchte stehen Vogel- und Holunderbeeren. Von der Eberesche, auch als Vogelbeere bekannt, ernähren sich 63 Vogel- und 31 Säugetierarten. Der
Schwarze Holunder dient 62 Vogel- und 8 Säugetierarten als Nahrungsquelle, der Traubenholunder immerhin 48 Vogel- und 5 Säugetierarten.
Sträucher und Hecken werden von den meisten Vögeln und Säugetieren natürlich nicht nur zum Fressen aufgesucht. Sie bieten auch Verstecke, Brutplätze und Überwinterungsquartiere. Gefiederte
Gartenbewohner wie Heckenbraunelle und Nachtigall nisten gern im schützenden Dickicht von Hecken und so mancher Igel mag dort einen geeigneten Platz für seinen Winterschlaf finden.
All diese Gäste werden nicht lange auf sich warten lassen, wenn man sie auf diese Weise in seinen Garten einlädt. Aber es gibt auch kleinere Besucher, die man auf den ersten Blick nicht gleich
entdeckt. Viele Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten sind auf bestimmte Sträucher spezialisiert. Von der Salweide profitieren zum Beispiel 213 verschiedene Insektenarten, vom Weißdorn 163.
Hagebutte im Winter. © P. Scheewe, NABU
...und Menschen
Neben den zahlreichen Tieren, die sich über das abwechslungsreiche Nahrungsangebot freuen werden, kann auch der Mensch die Früchte und Blüten der meisten hier genannten Sträucher nutzen. Haben Sie beispielsweise schon einmal Schlehenlikör oder Vogelbeerenmarmelade probiert? Die Beeren des Schwarzen Holunders sind sehr Vitamin C haltig. Aus ihnen können Saft, Marmelade und Wein hergestellt werden. Die Blüten helfen, zubereitet als Tee, bei Erkältungen und Fieber.
Haselnusskerne sind ebenfalls sehr schmackhaft und enthalten 50-60% fettes Öl und verschiedene Vitamine. Die schwarzbraunen Beeren des Wacholders enthalten ätherische Öle, Gerbstoffe, Harz und
Zucker und können zu Küchengewürzen und Schnaps weiterverarbeitet werden.
Und auch aus Vogelbeeren und Schlehen kann man Saft, Marmelade und Gelee machen. Die Blüten der Schlehe können außerdem als blutreinigender Tee zubereitet werden.
Wussten Sie, dass…
…ein alter Volksglaube besagt, dass im Holunder gute Hausgeister wohnen und man sich deshalb lange überlegen sollte, ob man einen solchen Strauch fällt?
…die Eberesche früher zum Vogelfang verwendet wurde? …die Eberesche aufgrund des unangenehmen Geruchs der Blüten auch "Stinkesche" genannt wird?
…man Schlehen erst nach dem ersten Frost ernten soll, weil sie erst dann den sauren, derben Geschmack verloren haben?
© Text: Wiebke Langreder