Wenn der Herbst beginnt nähert sich die Jagd am Himmel ihrem Höhepunkt. Die himmlischen Jäger haben den großen Bären gestellt. Sie erlegen ihn und kochen ihre Beute. Blut tropft herab und
färbt die Wälder rot. Das aus dem Kessel spritzende Fett sorgt für die gelbe Farbe der Blätter.
So erklärten einst die Indianer das farbenprächtige Schauspiel des Herbstes, das im Norden Amerikas besonders ausgeprägt ist, der "Indian Summer".
© NABU Lüneburg
Sobald die Tage kürzer werden und daher weniger Licht vorhanden ist, schaltet die Natur ihren Spargang ein. Die Pflanzen bauen jetzt keine neuen Stoffe mehr auf. Was noch an Säften und Kräften vorhanden ist, dient zum Reifen der Früchte und zum Verholzen der Triebe.
Auch in den Blättern finden jetzt Veränderungen statt. Sie enthalten eine Menge wertvoller Stoffe, die jetzt aus ihnen herausgezogen und im wintersicheren Depot des Stammes und der Wurzeln eingelagert werden. Darunter sind auch Bestandteile des Blattgrüns. Sie werden zu farblosen Produkten umgebaut.
Zuerst verschwindet das grüne Chlorophyll, so dass nun die gelben (Xantophylle) und orangefarbenen (Carotine) sichtbar werden, die bisher vom Chlorophyll überdeckt waren. Die Blätter verfärben sich gelb / orange.
Die herbstliche Rotfärbung der Blätter bei einzelnen Arten kommt durch die Farbstoffgruppe der Anthozyane zustande. Diese werden erst im Herbst neu gebildet, außer bei den Arten die immer rote Laubblätter haben wie Blutbuche oder Bluthasel. Mit dem fortschreitenden Absterben färben sich schließlich alle Blätter braun.
Während des spektakulären Farbwechsels bildet sich eine Schicht kleiner Zellen an der Basis des Blattstiels. Allmählich schließt sich die Trennschicht und versiegelt zugleich den Zweig. Der erste kräftige Windstoß oder Regenschauer löst schließlich das tote Blatt vom Ast.
Eine Linde im Herbstgewand. © NABU
Werden unsere sommergrünen Laubbäume in eine Gegend mit gleichmäßig warmem, feuchtem Klima versetzt (Tropen), so verlieren sie zur gewohnten Zeit ihre Blätter, halten die Ruhezeit ein und treiben dann erneut aus. Allerdings halten sie sich nicht mehr ganz so streng an den Rhythmus von zwölf Monaten, sondern "ihr Jahr" wird etwas verkürzt. Dies beweist, dass das Vergilben und Abfallen der Blätter im wesentlichen durch einen inneren, erblich festgelegten Rhythmus gesteuert wird, Temperatur und Lichteinwirkung haben aber eine auslösende Funktion.
Übrigens: Viele Pflanzen in tropischen Gegenden werfen das ganze Jahr über ständig einen Teil ihrer Blätter ab. Sie kennen einfach keinen Winter. In manchen Gegenden, in denen es lange trockene Sommer gibt, wird hingegen das Laub während der Trockenzeit abgeworfen.