Hochwasserschutz Elbe

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https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/lebendigefluesse/141021-nabu-grueneliga-positionspapier_hochwasserschutz_.pdf

Erstellung eines gemeinsamen Rahmenplanes mit dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern für Hochwasserschutzmaßnahmen

In den vergangenen Monaten ist dabei ausreichend auf die einzige momentan umsetzbare Maßnahme, dem Rückschnitt der Verbuschung, eingegangen worden. Tatsächlich werden diese Maßnahmen den Hochwasserpegel nur um wenige Zentimeter senken können. Dass diese wenigen Zentimeter von ganz entscheidender Bedeutung sein können, ist unstrittig. Denoch bezahlt hier in erster Linie die Natur.

Der Rückschnitt ist nur ein erster Schritt im Zuge des Maßnahmenkataloges. Weitere wichtige Maßnahmen, wie die Rückverlegung oder der Neubau von Deichen, Flutpoldern- und rinnen sowie der Anschluss von Altarmen, werden eruiert.

Dem NABU Lüneburg reicht das unter Einbeziehung der letzten Hochwasser aber auch der wohl nicht aufhaltbaren Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels nicht aus. Es braucht Lösungen auch für die nachfolgenden Generationen.

Der NABU fordert die Kommunen, Behörden, Deichverbände sowie den zuständigen Landesbetrieb sowie die Biossphärenreservatsverwaltung auf, sich umgehend mit der Sedimentproblematik zwischen der Staustufe Geesthacht und Hitzacker auseinanderzusetzen.

Hierbei bedarf es einer genauen Tiefenschärfe, da auf Grund der möglichen Belastungen durch Dioxin (PCDD/F) auch der Schutz der menschlichen Gesundheit, der Schutz von aquatischen Lebensgemeinschaften sowie der Meeresschutz von herausragender Bedeutung ist.

Grafik: WSA Lauenburg
Grafik: WSA Lauenburg

Von dieser seit ca. 1964 in Betrieb gegangenen Staustufe profitieren nicht nur der Elbe-Seitenkanal und der Elbe-Lübeck-Kanal sondern wohl auch der Grundwasserspiegel in Bleckede. Gleichzeit ist sie die feste Grenze zwischen den durch die Nordsee von Ebbe und Flut beeinflussten Elbebereich.

Doch es gibt nicht nur positives zu berichten:

Diese künstlich errichtete Staustufe hat das Strömungsregime der Elbe deutlich verändert. Die Fließgeschwindigkeit wurde reduziert und dem Transport von Sedimenten durch die Elbe bis in die Nordsee ist ein Hindernis vorgesetzt wurden. Mit Auswirkungen bis in den Hamburger Hafen. Hier werden jährlich bis zu 300.000t Sedimente ausgebaggert, zwischengelagert und abtransportiert. Eine Vereinbarung erlaubt Hamburg sogar 6,5 Millionen Kubikmeter unbelasteten Schlick in die Nordsee zu kippen.

Hamburg hat für seine Sediment- und Schlickprobleme Lösungen mit Schleswig-Holstein und dem Kieler Umweltministerium erzielen können, auch um den Hafenbetrieb und die Schiffbarkeit aufrecht zu erhalten.

Staustufe Geesthacht und ihre anhängende Problematik

Was aber passiert vor der Staustufe Geesthacht bis hoch nach Hitzacker?

In diesem Elbekorridor ist aus einem normalen Erosionsbereich eines Flusses ein Sedimentationsbereich entstanden. Oberhalb der Staustufe werden von der Elbe kaum noch Sedimente transportiert, schätzungsweise hat sich so die Flusssohle um ca. 30-40 Zentimeter erhöht, die Buhnenfelder sind hoffnungslos verlandet. In den vergangenen 30 Jahren haben sich so geschätzte 3 bis 4 Millionen Kubikmeter Sedimente angehäuft. Im Vordeichgelände bilden sich weithin sichtbare Sanddünen, welche hier so nicht auflaufen dürfen.

Der Landkreis Lüneburg muss sich im Verbund mit Schleswig-Holstein und den zuständigen Umweltministerien umgehend mit der Sedimentproblematik vor der Staustufe Geesthacht beschäftigen. Hier geht es aber nicht um kommerzielle Interessen oder Schiffbarkeit, hier geht es um den Schutz vor Hochwasser, hier steht das Gemeinwohl nicht nur der unmittelbar hinter den Deichen wohnenden Anwohner auf dem Spiel!

Es geht es, wie so oft formuliert, um entscheidende Zentimeter und trotzdem lassen wir es zu, dass hinter der Staustufe täglich hunderte Kubikmeter Sedimente neu dazu kommen. Der aufgelaufene Sand wird hier zur Zeitbombe und somit zur Herausforderung aller Beteiligten.

Forderungen des NABU Lüneburg an die komplette Projektgruppe, welche an dem neuen Hochwasser-Maßnahmenplan arbeitet:

  1. Gleichberechtigte, klare Fokussierung und komplette Einarbeitung der Sedimentproblematik in den Maßnahmeplan, noch bevor der Entwurf in das öffentliche Beteiligungsverfahren geht.
  2. Einbindung und Planungen zur Umsetzung des Sedimentmanagementkonzept der FGG Elbe (Das Sedimentmanagementkonzept wurde als länderübergreifend abgestimmtes Fachkonzept zur Erreichung überregionaler Handlungsziele im deutschen Einzugsgebiet der Elbe im Februar 2014 durch den Elbe-Rat bestätigt und liegt vor. Es dient als Grundlage und Entscheidungshilfe zur Festlegung von Maßnahmen und ist gleichzeitig der nationale Beitrag zum internationalen Sedimentmanagementkonzept für das gesamte Einzugsgebiet der Elbe.)
  3. Planung einer Untersuchung des komplett oben angeführten Elb-Korridors,
    • Prüfung einseh- und verwertbarer Messergebnisse (Sedimentenproben und Schwebstoffuntersuchungen/Schwebstoffdauermessnetz WSV - Wasser- und Schiffahrtsverwaltung, Bund und Land Niedersachsen),
    • Prüfung, inwiefern Messstationen vorhanden oder bei Bedarf nachrüstbar sind,
    • Prüfung der Buhnenfelder (Altlasten- bzw. Altlastenverdachtsflächen) und Sanddünen auf ihre Sedimentenkontamination
    • Prüfung der Buhnenfelder und Sanddünen auf ihre regelmäßige Sanierung bzw. Beräumung,
    • vorherige Untersuchung des einhergehenden Risikos des Abtransports schadstoffbelasteter Feinsedimente flussabwärts (Meeresschutz)
    • Prüfung ob der Sand zumindest aus den Sanddünen genutzt werden kann, (freie, kostenlose Verwertung durch entfernendes Unternehmen, siehe Verbuschung)
  4. Überprüfung der vorhandenen Buhnenbauformen auf ihre Optimierung/Modifizierung/Uferanbindung, ggf. nach alternativen Bauformen suchen
  5. Suche nach geeigneten ökologisch verträglichen Ausbringungsflächen - siehe hier Lösung des Schlickproblems in Hamburg
  6. Suche nach möglichen Alternativen
    • Prüfung und Auswirkungen eines Weitertransportes von unbelasteten Sedimenten hinter die Staustufe bzw. Untersuchung von möglichen Kollisionen mit Hamburger Interessen

Wir sollten nicht vergessen, dass die Zukunft zur Gegenwart wird und die Gegenwart zur Vergangenheit und dass sich die Vergangenheit in ewige Reue verwandelt, wenn man nicht früh genug geplant hat.

(Tennessee Williams)

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