Dialogforum Schiene Nord

Abschlussbetrachtungen

Keine Unterschrift des NABU unter das Abschlußdokument des Dialogforums - Warum?

Die Alpha-Variante hat eine, im damaligen Forum gern verschwiegene, anfällige Achillessehne:

Die Strecke von Hamburg nach Celle über Lüneburg!

Diese ist schon jetzt mit Güterverkehr oft hoffnungslos überlastet. Mit Auswirkungen auch auf den Personennah- bzw. Fernverkehr. Die für 2030 prognostizierten drastischen Verspätungen sind schon jetzt oft an der Tagesordnung. Schon jetzt ist der Personenverkehr für viele Pendler zu unsicher und wenig attraktiv, ein Wechsel auf die Strasse von einer breiten Masse längst vollzogen.

Ein kompletter Umstieg vor allem des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene erscheint hier aussichtlos. Eine Zunahme des Güterverkehrs um zwei Drittel zeichnet sich auf der jetzt schon hoch belasteten Strecke ab. Dabei werden sich aber bei Engpässen die Container nicht im Hamburger Hafen stapeln, sondern diesen trotzdem verlassen. Sie werden auf die Strasse verlagert.

Dies hat anhängend katastrophale Auswirkungen auf die Klimabilanz, der Strassenverkehr (LKW/PKW) manifestiert sich somit weiter als einer der bedrohlichsten Klimakiller auch auf nationaler Ebene.

Dass hier die CO2-Emissionen gegenüber dem Schienenverkehr das Vierfache betragen, kann und will der NABU nicht ausblenden.

Mit dem Wissen um die Problematik des Klimawandels, mit der Reflektion, das „2Grad-Maximum“ nicht zu gefährden, konnte der NABU in Celle die Alpha E-Variante nicht einfach mit dem Mainstream im Forum durchwinken.

Der NABU setzt sich neben aktiven Natur-, Arten-, Biotop- und Umweltschutz auch für wirksamen Klimaschutz auf allen Ebenen ein.

Deutschland ist weltweit als sechstgrößter CO2-Emittent bekannt, bei der Optimierung des Hafenhinterlandverkehrs gilt es daher auch für unsere nachfolgenden Generationen, Verantwortung zu übernehmen.

Im Bereich Hamburg – Celle zeichnet sich eine stetig zunehmende komplizierte Sachlage ab. Da auch der Ausbau Lübeck-Lüneburg für den BVWP angemeldet wurde, kann der Nutzungsdruck weiter stetig zunehmen (momentan Elbbrückenproblem in Lauenburg).

Ein drittes Gleis wird die nötigen Kapazitäten nicht generieren, ein viertes wäre nötig, wird offen diskutiert und von der DB selbst ins Spiel gebracht. Simultan dazu wächst ein nicht zu unterschätzender täglicher politischer Druck vor Ort!

Eine Gesamtbeurteilung braucht eine fachliche Analyse mit Tiefenschärfe, ein eindeutiges Setzen von Prioritäten, eine Beantwortung der Frage: „Was wollen wir?“.

Mit Sicherheit sind hier auch nachfolgend unbequeme Abwägungsprozesse zu bewältigen.

Erkannt haben das neben den Hansestädten Lüneburg und Hamburg sowie dem Landkreis Lüneburg vorwiegend überregional tätige Verbände und Organisationen, wie der VCD, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV), BI Deutsch-Evern21, die Pro Bahn, IHK oder die Arbeitsgemeinschaft Niedersächsische Seehäfen.

Eisenbahnverkehrsunternehmen und die Seehäfen bewerten die mit einer niedrigen positiven Nutzen-Kosten-Verhältnis behaftete Alpha-Variante als kritisch.

Eine Unterzeichnung des Abschlußdokumentes hätte nicht nur die oben aufgezeiten Probleme billigend in Kauf genommen. Eine Unterzeichnung hätte auch toleriert, dass bereit stehende Unterlagen für naturschutzfachliche Untersuchungen von der DB zurück gehalten worden sind, Anträge nicht bearbeitet worden, Arbeitskreise beeinflusst worden sind. Bei zwei Dritteln der Beteiligten des Forums hatte das Ausblenden der klassischen Y-Variante oberste Priorität. Das gesamte Dialogforum wirkte in seiner Gesamtheit gesteuert, demokratische Verhältnisse bei Abstimmungen fehlten oft gänzlich. Vertreter aus Deutsch Evern oder die Nachbarn aus Schleswig-Holstein (Hamburg-Büchen) wurden nicht beteiligt. Auch der jetzige bekannte niedrige Kosten-Nutzen-Faktor wird sich weiter verschlechtern, wenn zwingend Kosten wie erhöhter Lärmschutz einberechnet werden.

Unabhängig davon, begrüßt der NABU eine schnelle Umsetzung der anderen wichtigen Maßnahmen im Rahmen der beschlossenen Alpha E-Variante.

Das aus unserer Sicht eher unbefriedigende Ergebnis des Dialogforums Schiene Nord finden Sie hier.

Raumordnungsverfahren dringend benötigt

Für den geplanten zusätzlichen Gleisbau zwischen Lüneburg und Uelzen, fordert der NABU ein Raumordnungsverfahren, denn dieses beinhaltet u.a. eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Dieses hat die Aufgabe, Eingriffe in schützenswerte Bereiche abzuwenden oder unvermeidbare Eingriffe und Umweltbelastungen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Die gewonnenen Ergebnisse sind in den nachfolgenden Zulassungsverfahren zu berücksichtigen. Gerade wegen seiner fachlichen Tiefgangs, gerade weil es untersucht, ob Ziele, Grundsätze und Erfordernisse der Raumordnung mit dem Gleisbauvorhaben übereinstimmen. Ergänzend werden auch Trassen- und Standortalternativen untersucht. Diese fachliche Tiefenschärfe ist zwingend notwendig. Ein Raumordnungsverfahren sind wir nicht nur allen Betroffenen, sondern auch unseren Kindern und Enkeln, insbesondere aber auch der Natur und unserem Klima schuldig. Da dieses ROV politisch nicht gewollt ist, hat der NABU schriftlich die Stadt und den LK Lüneburg aufgefordert, hier tätig zu werden! Dies ist inzwischen von beiden Seiten zugesichert worden.

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