Mäuseplage am Deich - Giftweizen im Einsatz

Wühlmäuse haben den Deichen mächtig zugesetzt.

Und selbstverständlich steht das Gemeinwohl und die Sicherheit der Menschen im Deichvorland in den betroffenen Gebieten an erster Stelle! Gefährdet die momentane Mäuseplage die Deiche vor Ort, muss gehandelt werden.

Der NABU-Kreisgruppe bereitet der unterirdische Gifteinsatz an den Deichen mittels Legeflinten trotzdem Kopfzerbrechen, denn er ist nicht ohne Restrisiko.

 

Daher hat die NABU-KREISGRUPPE in der 51. KW 2014 die Untere Naturschutzbehörde gebeten, einen Runden Tisch zu organisieren. Hier wollten wir mit Vertretern der Deichverbände, Jägerschaft, Umweltverbände, des NLWKN, des Landkreises und Vogelexperten möglichst zeitnah nach Ursachen suchen und nachhaltige Lösungen anstreben.

Die Untere Naturschutzbehörde sieht hier aber keinen Bedarf!!!

„Ein starker Anstieg der Mäusepopulationen nach harten bzw. milden Wintern und in bestimmten Perioden ist nicht unnormal.“  (Gudrun Bardowicks, Biotopexpertin, NABU Lüneburg)
Doch bleiben viele Fragen, u.a.:

  • Engt der starke Nutzungsdruck (Tourismus, Radfahrer, Spaziergänger, Hunde usw.) an den Deichen eine erfolgreiche nachhaltige Jagd durch die durchaus vorhandenen Greifvögel ein? - Typisch hier u.a. auch der Elbeseitenkanal -
  • Brauchen wir deßhalb zeitlich abgestimmte Sperrungen bestimmter Teilbereiche?
  • Was kann außer Sitzkrücken noch für die Greifvögel getan werden?
  • Sind zusätzliche Nisthilfenprojekte zielführend (Schleiereule, Turmfalke)?
  • Wie wirkt sich die Jagd auf Prädatoren in besagter Region auf die Gesamtsituation an den Deichen aus?
  • Wie wirkt sich der Gifteinsatz in der Nahrungskette aus? - gerade Eulenarten profitieren von „guten Mäusejahren“ nach schwächeren Perioden, die Bestände erholen sich, Störche sind ein Thema -
  • Wird der Klimawandel in den nächsten Jahren das Mäuseproblem noch verstärken (u.a. milde Winter)?
  • Was gibt es noch an Präventivmaßnahmen für die nächsten Jahre?
    Welche Rolle spielt die Landwirtschaft (event. Monokulturen, fehlende Strukturen)?

Dies sind nur einige der zu klärenden Fragen aus NABU-Sicht. Entscheidend jedoch ist, dass Gift nicht zur Allzweckwaffe geraten darf. Der Zweck darf hier nicht die (giftigen) Mittel heiligen.


Landesweit tonnenweise ausgebrachte Gifte in der Landwirtschaft belasten Natur und Grundwasser schwer und nachhaltig! Gifteinsätze gegen den Eichenprozessionsspinner vernichtet auch deren natürliche Gegenspieler!

Daher mahnt die NABU-Kreisgruppe Lüneburg auch bei der Mäuseplage an den Deichen:                                                                                              Gift ist keine nachhaltige naturverträgliche Lösung!

Letzte Meldung vom NDR, 29.12.2015:

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Junger-Seeadler-stirbt-an-Zinkvergiftung,seeadler324.html

 

Junger Seeadler stirbt an Zinkvergiftung

In Nordhastedt (Kreis Dithmarschen) ist vor Kurzem ein vergifteter Seeadler gefunden worden. Das junge Tier starb an einer Zinkvergiftung, wie der Wildpark Eekholt am Dienstag mitteilte. Der Adler war erst in diesem Sommer geschlüpft. Als er am 18. Dezember entdeckt wurde, konnte er nicht mehr fliegen. Durch das Gift war der Verdauungstrakt des Adlers so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass er kurze Zeit später verendete. "Wahrscheinlich hat er ein vergiftetes Beutetier gefressen", sagte am Dienstag der Geschäftsführer des Wildparks Eekholt, Wolf-Gunthram Freiherr von Schenck.

Im Juni starb eine ganze Seeadler-Familie

In Dithmarschen sind damit in diesem Jahr bereits sechs Seeadler vergiftet worden: Im Juni war in einem Revier bei St. Michaelisdonn eine Seeadlerfamilie Opfer eines Giftanschlags geworden. Die streng geschützten Tiere waren mit dem in der EU verbotenen Pflanzenschutzmittel Mevinphos vergiftet worden.

Wurde Wühlmausgift unsachgemäß eingesetzt?

Zinkvergiftungen werden unter anderem durch die Aufnahme von Wühlmausgift (Zinkphosphid) ausgelöst. Erst Anfang November waren nahe Wismar rund 150 Wildgänse an diesem Gift verendet, das ein Landwirt unsachgemäß ausgebracht hatte. Laut Gesetz müssen die Giftköder direkt in die Mauselöcher gesteckt werden, damit sich Wild- und Haustiere nicht daran vergiften können. "Auch im Fall des Adlers liegt es nahe, dass er Zinkphosphid aufgenommen hat", sagte von Schenck.