16.11. 2016 WWF zur Wolfsdebatte: Es braucht Lösungen für Nutztierhalter. / US-Studie: Abschüsse von Beutegreifern verschärfen das Problem - Hier ist kaum etwas aus Lüneburger NABU-Sicht hinzuzufügen!

Die Umweltschutzorganisation WWF fordert von der Politik in der aktuellen Wolfsdebatte ein klares Bekenntnis zum Existenzrecht der Wölfe in Deutschland. Die Interessensvertreter und Lobbygruppen der Landwirtschaft sollten sich zudem nicht in ideologischen Grabenkämpfen verrennen, sondern vielmehr die substanziellen Probleme der extensiven Weidehaltung in Deutschland an die Politik adressieren.

„Die extensive Weidetierhaltung in Deutschland ist eine zukunftsweisende Form der Landwirtschaft und zugleich für den Arten- und Umweltschutz von großer Bedeutung. Wer allerdings jetzt populistisch nach Abschüssen und Wolfs-Obergrenzen schreit, für die es keine gesetzliche Grundlage gibt, lenkt nur von den eigentlichen, strukturellen Problemen ab, mit denen etwa Schafshalter zu kämpfen haben und für die es Lösung braucht“, so Moritz Klose, Wildtier-Referent beim WWF Deutschland. Der Beitrag extensiver Weidehaltung für ökologisch sinnvolle Landschaftspflege hat nach WWF-Einschätzung noch immer einen zu geringen Stellenwert – auch innerhalb der Agrarlobby und der Politik. Zudem ist eine höhere Wertschätzung dieser nachhaltigen Form der Tierhaltung für die Produktion von Lebensmitteln wie Fleisch oder Milch nötig. In seiner Stellungnahme äußert der WWF „großes Verständnis“ für die Ängste und Sorgen der progressiven  Landwirte, die diese nachhaltige Form der Landwirtschaft praktizieren. 

„Interessenvertreter und Politiker sollten sich beim Wolf darüber Gedanken machen, wie sie die flächendeckende Anwendung von Herdenschutzmaßnahmen in Wolfsgebieten noch besser unterstützen können. Es braucht umfangreiche Beratungsangebote für Nutztierhalter, die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen sowie schnelle, unbürokratische Ausgleichszahlungen bei gerissenen Tieren. Hier herrscht dringender Nachholbedarf“, so Klose. Zudem verweist der WWF auf eine Studie aus den USA wonach das Töten von Raubtieren  in fast der Hälfte der untersuchten Fälle zu einer Zunahme der Nutztierrisse geführt hat. (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/fee.1312/full)

Die Forscher zeigen in der Studie, dass es zwar in 30 Prozent der untersuchten Fälle zu einem minimalen Rückgang der Nutztierschäden gekommen ist, dies waren jedoch nur kurzfristige Effekte. Herdenschutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde oder Flatterbänder verringerten demnach die Verluste an Nutztieren in 80 Prozent der Fälle. „Wenn ein erfahrenes Tier aus einem Wolfsrudel abgeschossen wird, kann es seine Erfahrungen mit wachsamen Herdenschutzhunden oder schmerzhaften Elektrozäunen nicht an das Rudel weitergeben“, liefert Moritz Klose eine Erklärung. „Möglicherweise attackieren unerfahrene Jungtiere dann erneut Nutztiere, wenn hier leichte Beute zu machen ist.“

 

 

 

Wissenswertes für Nutztierhalter:

 

Wenig Worte zum Thema "Elektronetz", schauen Sie sich lieber das sehr gute Video an!

http://www.berufsschaefer.de/152/#Wolfsvideo

 

Wendelin Schmücker, der neue Vorsitzende des Fördervereins der deutschen Schafhaltung äußert sich wie folgt zu Nutztier-Rissen:

Was ist beim Fund eines Risses (egal ob tot oder verletzt!) zu beachten:
Bitte bewahren sie Ruhe!
Rufen sie den Wolfsberater/ Rißbegutachter an. Der Landkreis hat notfalls die Nummer.
Vorbereitung bis der Wolfsberater kommt:

Eigene Hunde fern halten, totes Tier an Ort und Stelle liegen lassen!

Fotos machen (auch Umgebung und Spuren!) und das tote Tier abdecken (Aludecke, aus dem Hilfe Kasten) Das dient dazu die Temperatur möglichst niedrig halten. Sommerliche Temperaturen schaden einer DNA mehr, als Regen! Die Ergebnisse werden unklar, wenn der Speichel eintrocknet. Der Tupfer zieht dann nur noch trockene Speichelstückchen an und die können abbröseln. Dann ist nichts mehr auswertbar.
Da sie nicht davon ausgehen können das als Verursacher ein Wolf bestätigt werden kann erstatten sie Anzeige gegen Unbekannt.
Bitte sorgen sie dafür das Menschen und Hunde nicht die Spuren z.B. Schleifspuren, Haarbuschel oder andere Beweise zerstören.
Machen sie Fotos vom Zaun, den Riß oder die Verletzung, Trittsiegel, evtl. andere Spuren. Um im Nachhinein die Größe der Spuren in den richtigen Maßstab zu bringen bitte einen Gegenstand auf das Motiv bringen dessen Maße bekannt sind z.B. Perso, Zigarettenschachtel).
Dokumentieren sie sämtliche Zeiten.
Wann haben sie den Riß entdeckt, wann den Wolfsberater angerufen, wann waren die Personen vor Ort? Die meisten Handys haben eine Aufnahmefunktion oder machen sie wieder ein Bild dann haben sie auch die Uhrzeit.
Lassen sie sich eine Visitenkarte von dem Rißbegutachter/Wolfsberater geben.
Dokumentieren sie seine Handlungen. Wo nimmt er die Probe und vor allem WIE? Tupfer sind steril und sollten mit sterilem Wasser feucht gemacht werden.
Eine flächendeckende Abprobung ist wichtig. Die höchste Chance ist bei den Löchern die durch die Zähne hinterlassen wurden und zwischen den Löchern wo die Zunge gewesen sein müßte.
Machen sie eine Kopie von seinem Bericht. Notfalls ein Foto mit dem Handy.
Unterschreiben sie NICHTS!
Rechnungen die sie beim zuständigen Amt einreichen immer Kopieren und per Einschreiben versenden.

Sollten die Weidetiere sich ungewöhnlich verhalten ist es ebenfalls anzuraten nach eventuell vorhandenen Spuren zu suchen! Wölfe kundschaften in der Regel erst einmal aus, bevor sie angreifen.

Während der Wartezeit auf den Wolfsberater Spurensuchemachen: Spuren im Gras (liegt platt), auf dem offenen Boden - auch diese Spuren dokumentieren! Handyfoto, Feuerzeug neben die Spur legen. Das Trittsiegels eines Wolfes entspricht ungefähr dem menschlichen Handteller! Manchmal ist auch Losung zu finden.
Die mittersten Zehen sind nach vorne ausgerichtet.

Haare im Knick und am Zaun!!

Was macht man, wenn der Wolfsberater nicht kommen kann und kein professionelles DNA Entnahme Kit zur Verfügung steht?
Als Tupfer kann man zur Not auch ein normales Q-Tip verwenden. Watteteil nicht berühren.
Anstelle der Verpackung in ein Röhrchen genügt auch ein Tiefkühlbeutel pro Abstrichtupfer, falls nichts anderes zur Hand ist! Dazu die Wundränder abtupfen, möglichst wenig Blut mit aufnehmen.

Es geht hierbei um Schadensersatzansprüche, besonders gegen die Hundehalter. Der Wolfsberater möge dem Tierbesitzer 2-3 Proben geben. Diese können, wenn Senckenberg nichts herausfindet oder Hund herausbekommt an ein privates Labor in der Umgebung z.B. über den Tierarzt gegeben werden. Der Hundehalter kann, wenn er ermittelt werden kann, die Kosten der Untersuchung und den Schaden an dem Tier, schadensersatzpflichtig gemacht werden.
www.wir-lieben-schafe.com