NABU-Landesverband bezieht Stellung zur Wolfsthematik

NABU: Begründung zur Abschussgenehmigung des Rodewalder Wolfes ist fachlich falsch

 

Stellungnahme des NABU Niedersachsen 

 

Laut Ausnahmegenehmigung vom 23. Januar 2019 darf der Wolfsrüde „GW 717m“ des Rodewalder Rudels bis heute, den 28. Februar 2019, entnommen werden. Das Umweltministerium hat mittlerweile verlautbaren lassen, dass die Genehmigung bis zum 31.03.2019 verlängert worden ist. 

 

Die Abschussgenehmigung erfolgte am 23. Januar 2019 durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit Unterstützung des Niedersächsischen Umweltministeriums (MU) und gelangte erst acht Tage später am 31. Januar 2019 an die Öffentlichkeit. Bis knapp drei Wochen nach Abschussgenehmigung gab es keinerlei Informationen für die Öffentlichkeit. Auch Umweltverbände wie der NABU waren von Informationen abgeschnitten und haben trotz mehrfachen Bittens und Einreichung eines offiziellen Widerspruchs keine Einsicht in Unterlagen und keine Begründung erhalten. Am 11. Februar 2019 wurde die Begründung für die Abschussgenehmigung durch den NLWKN bekanntgegeben. Eine Antwort des NLWKN auf die Widerspruchsbegründung des NABU steht noch aus. 

 

Seit dem Bekanntwerden der Abschussgenehmigung hat es eine hohe Aufregung in der Öffentlichkeit gegeben, aus Wahrnehmung des NABU eine deutlich höhere Aufregung und Emotionalität als bei der Abschussgenehmigung von „Kurti“. Insbesondere wird von einzelnen Politikern vorwiegend aus den Reihen der CDU und der FDP sowie von Lobbygruppen wie Landesjägerschaft und Landvolk das Wolfsthema dramatisiert, werden teilweise Unwahrheiten verbreitet und mit teilweise martialischer Ausdrucksweise Ängste gegenüber der Tierart geschürt. 

 

Der NABU ist demgegenüber um Sachlichkeit bemüht und präsentiert hier die aktuellen Fakten zum Rodewalder Rudel: 

 

Das Rudel wird für etwa 40 Risse in den Landkreisen Heidekreis, Nienburg und der Region Hannover verantwortlich gemacht. In 37 Fällen steht der Wolf als Verursacher fest, drei weitere befinden sich noch in Bearbeitung (Stand: 25.02.2019). Insgesamt sind 25 Schafs-, acht Rinder-, zwei Pferderisse sowie ein Ziegen- und ein Alpakariss zu verzeichnen. In vier Fällen waren bei Schafsrissen Mindestschutzmaßnahmen gemäß der Richtlinie Wolf des Landes Niedersachsen vorhanden, die allerdings nicht immer den Empfehlungen des NABU und bundesweiter Behörden entsprochen haben. Ein Mindestschutz in Form von wolfsabweisenden Zäunen war bei den gerissenen Rindern und Pferden nicht vorhanden. Bei den gerissenen Rindern handelt es sich fast ausnahmslos um Kälber und Jungrinder, in einem Fall ist ein Rind (zweijährig) aufgrund von Verletzungen eingeschläfert worden. Bei den Pferden handelte es sich um ein „Mini-Shetlandpony“ und ein Islandponyfohlen. Bei einem weiteren Shetlandponyriss ist der Wolf als Verursacher nachgewiesen, aber nicht bekannt, ob es das Rodewalder Rudel war. 

 

Die in der Abschussgenehmigung genannten Fälle zielen auf den Tod von Rindern ab, während alle anderen Risse nicht weiter betrachtet werden. Bei genauerer Betrachtung der Fälle konnten fünf tote Kälber, ein Jungrind, ein verletztes und anschließend eingeschläfertes Jungrind sowie ein eingeschläfertes Rind dem Rodewalder Rudel zugeschrieben werden. Es gibt Aussagen, nach denen aktuell ausschließlich das Rodewalder Rudel Rinder gerissen haben soll und in der Vergangenheit das inzwischen nicht mehr bestehende Cuxhavener Rudel. Tatsächlich haben niedersachsenweit im Jahr 2018 in 13 Fällen Übergriffe von Wölfen auf Rinder (Kälber und Jungrinder) stattgefunden. Dies nicht nur in den Bereichen der oben genannten Rudel, sondern auch in anderen Gebieten, wie den Landkreisen Uelzen und Celle. 

 

Auch bundesweit kommen immer wieder Angriffe auf Rinder vor. In den meisten Fällen handelte es sich um Kälber oder Jungrinder, die zum Teil kurzzeitig von den Elterntieren getrennt waren. In solchen Fällen wurden bei den betreffenden Weideflächen Herdenschutzmaßnahmen angewendet, bis die Übergriffe aufhörten. Im Falle des Rodewalder Rudels sind solche Maßnahmen nach Kenntnis des NABU unterlassen worden. 

 

Die Einzelabschussgenehmigung für den Wolf GW717m begründet sich gemäß NLWKN auf zwei Einzelfälle, bei denen ein zwei Monate altes Kalb nachweislich von dem Rüden gerissen worden ist und ein zweijähriges Rind nach Verletzung eingeschläfert wurde. Weitere Fälle konnten dem Tier nicht zugeordnet werden oder der NLWKN geht davon aus, dass ein Selbstschutz der jeweils betroffenen Herde nicht gegeben war. Der NLWKN geht weiterhin davon aus, dass mehrere mehrjährige gesunde Rinder bereits einen Selbstschutz auch für Kälber bieten würden, ohne dieses durch fachliche Studien begründen zu können oder sich zu diesem Thema mit anderen Ländern, bundesweiten Behörden, Informationsstellen und Experten ausgetauscht geschweige denn abgesprochen zu haben. 

 

Bewertung des NABU:

 

1.       Das Rodewalder Rudel und der Leitrüde haben sich nicht an Menschen angenähert, kaum jemand hat bisher eines der Tiere gesehen, und ist auch nicht gegenüber Menschen aggressiv geworden. Ein solches Verhalten ist auch nicht zu erwarten. Ein völlig normales Verhalten ist es, wenn Wölfe auf ihrem Weg durch Ortschaften laufen und auch in der Nähe menschlicher Siedlungen und Häuser auf Nahrungssuche gehen. 

 

2.       Es ist tatsächlich eine gehäufte Zahl von Nutztierrissen im Bereich des Rodewalder Rudels vorhanden, die aber in erster Linie auf einen zu geringen bis gar keinen Herdenschutz zurückzuführen ist. Die Zahl an Nutztierrissen ist auch nicht ungewöhnlich in Gebieten, die gerade neu von Wölfen besiedelt werden und daher Schutzmaßnahmen erst noch sukzessive eingerichtet werden müssen bzw. sich Nutztierhalter auf die neue Situation einstellen müssen. In Gebieten, die bereits länger ansässige Wölfe haben, gehen nachweislich die Nutztierrisse zurück. Und dies nicht, weil es weniger Nutztiere gibt, sondern weil die Schutzmaßnahmen greifen. In Niedersachsen haben beispielsweise die Schafszahlen in den Betrieben in den letzten Jahren zugenommen (2015 167.000 Schafe, 2018 173.000 Schafe), und dies besonders in der Lüneburger Heide, obwohl sich dort mehrere Wolfsrudel befinden. 2018 kamen in Niedersachsen auf 235.000 Schafe (inkl. Hobbyhalter) 326 gerissene Schafe. Das sind rund 0,1 Prozent, wobei der NLWKN in seiner Abschussgenehmigungsbegründung davon ausgeht, dass die Nutztier haltenden Betriebe einen generellen Verlust von zehn Prozent ihrer Tiere sowieso einplanen. Generell bilden Nutztiere nur einen kleinen Teil des Nahrungsspektrums des Wolfes. Der Landesjagdbericht 2017/2018 des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ab Seite 104) legt eine umfassende Studie die Nahrungsökologie des Wolfes in Niedersachsen dar. Die Kotanalyse von 504 Wolfslosungen hat ergeben, dass nur 0,4 Prozent der gefressenen Tiere und 0,49 Prozent der gefressenen Biomasse auf Nutztiere zurückgeht. 

 

3.       Es ist nachgewiesen, dass Herdenschutzmaßnahmen wie wolfsabweisende Zäune und Herdenschutzhunde wirken. Solche Präventionsmaßnahmen werden mittlerweile zu 100 Prozent finanziert. Dennoch bedeutet die Einrichtung von solchen Maßnahmen einen erhöhten Aufwand für die Nutztierhalter. Aber auch hier gibt es bereits Unterstützung durch ehrenamtliche Aktivitäten wie WikiWolves und das Herdenschutzprojekt des NABU. 

 

4.       Die generelle Annahme des NLWKN, bei Rindern würde ausschließlich eine Herde, bestehend aus ausgewachsenen und jungen Tieren, ausreichenden Schutz vor Wolfsangriffen bieten, ist falsch. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat in einer am 14. Februar 2019 veröffentlichten aktuellsten Zusammenstellung der wolfsverursachten Schäden, Präventions - und Ausgleichszahlung in Deutschland 2017 folgendes formuliert: „In den letzten zwei Jahren ist die Zahl der durch Wölfe getöteten oder verletzten Rinder in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt angestiegen (DBBW 2017; Tab. 2). Betroffen sind überwiegend junge Kälber. Das Verteidigungsverhalten von Mutterkühen kann je nach Rasse sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Durch die häufig übliche Zäunungsform von Mutterkuhherden mit nur einer Stromlitze in 60 oder 80 cm Höhe sind Kälber für Wölfe leicht erreichbar.... Wenn einzelne Wölfe gelernt haben, Rinder zu töten, müssen auch diese vor Wolfsübergriffen geschützt werden. […]. In Projekten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt konnte demonstriert werden, dass auch Rinder erfolgreich durch Herdenschutzmaßnahmen, wie etwa elektrifizierte Zäune, geschützt werden können (Hartleb et al. 2017; LA U 2018)." Der NABU teilt die Einschätzung des DBBW ausdrücklich und auch der NLWKN selbst sieht eine Notwendigkeit des erweiterten Herdenschutzes bei Mutterkuhherden. 

 

5.       Das Gericht (OVG) hat in einem Eilverfahren die Klage des „Freundeskreises wildlebender Wölfe“ gegen die Abschussgenehmigung abgewiesen, indem es eine Entscheidung nicht einmal 24 Stunden nach Erhalten der Begründung getroffen hat. Im Urteil wird auf diese wichtige und sehr differenziert zu betrachtende Frage allerdings kaum eingegangen. 

 

Resumee

Der NABU wartet auf die Antwort des NLWKN zu seinem Widerspruch gegen die Abschussgenehmigung und hält sich seine Reaktion darauf offen. Mittlerweile schätzt der NABU die Situation des Rodewalder Rudels als kritisch ein, da das Rudel tatsächlich gelernt hat Kälber, Jungrinder, kleine und junge Pferde zu reißen. Die Begründung des NLWKN reicht nach Ansicht des NABU allerdings nicht aus und ist fachlich falsch. Vorwürfe erhebt der NABU gegenüber dem Land, da es nach seiner Kenntnis keine Aktivitäten gegeben hat, Risse bei Rindern und Pferden durch entsprechende Herdenschutzmaßnahmen zu unterbinden. „Wenn von einem Selbstschutz bei Herden ohne fachliche Grundlage ausgegangen wird, handelt das Land grob fahrlässig und schafft erst die Möglichkeit, dass Wölfe lernen größere Weidetiere zu reißen,“ so der Landesvorsitzende des NABU Niedersachsen Dr. Holger Buschmann. „Das Land muss demgegenüber dringend öffentlich fordern, dass Herdenschutzmaßnahmen sofort ergriffen werden, wenn erste Risse in einem Wolfsgebiet erfolgen.“

 

 

HINTERGRUND

 

Grundlage für eine Entnahme (Tötung) von Wölfen

Der NABU Niedersachsen vertritt weiterhin die gültige, rechtliche Auffassung, dass der Wolf durch internationale und nationale Gesetze streng geschützt ist. In der Europäischen Union unterliegt er den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Auf Bundesebene ist der Wolf durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) streng geschützt. Er hat damit den höchstmöglichen Schutzstatus. „Auf keinen Fall will der NABU, dass der Schutzstatus verringert wird, was allerdings von Vertretern der Jagdlobby und aus Reihen der Landwirtschaft sowie Hobbytierhalter und von immer mehr Politikern vehement gefordert wird“, erläutert Dr. Holger Buschmann. 

 

Der NABU stimmt in besonderen Einzelfällen grundsätzlich einer Entnahme zu:

1. Aggressives Verhalten eines Wolfes gegenüber Menschen,

2. mehrmalige direkte Annäherung an Personen (nicht an Gebäude, Autos, etc., da Wölfe nicht erkennen können, ob sich Personen darin befinden),

3. wenn 2- bis 3mal der Grundschutz (1,20 m hoher Weidezaun mit Litzenabstand 20 cm und Untergrabeschutz), bei Schafen und Ziegen inkl. Herdenschutzhunden, vom Wolf überschritten und der Wolf in flagranti dabei erwischt wurde. 

 

Dem dritten Einzelfall stimmt der NABU Niedersachsen aktuell allerdings nur im Rahmen des geltenden BNatSchG, also bei Erheblichkeit des Schadens für einen landwirtschaftlichen Betrieb zu. Sollte das BNatSchG in diesem Punkt an die FFH-Richtlinie angepasst werden, die die Ernsthaftigkeit eines Schadens zu Grunde legt, würde der NABU auch hier zustimmen.

 

Der NABU spricht sich weiterhin deutlich für einen verbesserten und verstärkten Herdenschutz in Niedersachsen aus und

• gegen eine Regulierung des Wolfsbestandes in Niedersachsen,

• gegen die Einrichtung von wolfsfreien Gebieten,

• gegen die Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz und

• gegen die Verringerung des Schutzstatus laut FFH-Richtlinie. 

 


 

18.10. 2018 Wir brauchen dringend ein Weidemanagementplan, unabhängig zum Wolfsmanagement. Unsere Vorschläge dazu:

  • Stärkung und Unterstützung des Berufes Schäfer/Wanderschäfer sowie der gesamten Weidetierhaltung in der            Gesellschaft
  • Orientierung an Vorbildern, die funktionieren: Beitrag des 3Sat-Fernsehens, Magazin Nano
  • Wichtig!!! - aus EU-, Bundeshaushalt fließen Milliarden und hohe dreistellige Millionenzahlen in die                                  Landwirtschaft - die Weidetierhaltung darf nicht länger leer ausgehen
  • Entwurf eines Weidemanagementplanes fertigen und in einen bundesweiten Kongress mit                                                   Landwirtschaftsministerien, Umweltministerien, Behörden, Landwirtschaftskammer, Bauernverband,                           Umweltverbänden und LJV  abgleichen
  • Erstellung eines detaillierten Kataloges der alle Fragen beantwortet (Kosten, Berechnungen, Finanzierungen,             vorhandene Fördermaßnahmen überarbeiten)
  • Landwirtschaftskammer einbinden (die zur Zeit tw. unsicheren Förderungen sichern und festlegen,                                 Grünlandprämien in Verbindung mit Biotoppflege, - Pacht, Anfahrt, Arbeitszeit, Herdenschutzmaßnahmen,                 Beweidungs- und Naturschutzauflagen, der Transport der Tiere , all das darf sich nicht zum Nachteil für                         Nutztierhalter auswirken!)
  • Weidetierprämie bundesweit
  • Finanzierung und Aufbau von Herdenschutzzentren, überall dort, wo sie noch nicht vorhanden sind (um                       Weiterbildung, Monitoring usw. zu unterstützen und auszubauen)
  • Förderkatalog für Herdenschutzhunde, da ihre Kosten nicht erwirtschaftet werden können, Anrechnung von               HSH in den Landschaftspflegeverträgen und dies pro ha
  • Tierschutzhundeverordnung auf Bundesebene überarbeiten (HSH mit Ausnahmegenehmigungen)
  • Trotz rechtlicher Verpflichtungen einen sanktionierten Maßnahmenkatalog für Hobbyhaltung und Haltung im            Nebenerwerb
  • Weidetierprämie überall festsetzen
  • Bundesfreiwilligendienst und Freiwilliges ökologisches Jahr bundesweit integrieren 

 

16.11. 2016 WWF zur Wolfsdebatte: Es braucht Lösungen für Nutztierhalter. / US-Studie: Abschüsse von Beutegreifern verschärfen das Problem - Hier ist kaum etwas aus Lüneburger NABU-Sicht hinzuzufügen!

Die Umweltschutzorganisation WWF fordert von der Politik in der aktuellen Wolfsdebatte ein klares Bekenntnis zum Existenzrecht der Wölfe in Deutschland. Die Interessensvertreter und Lobbygruppen der Landwirtschaft sollten sich zudem nicht in ideologischen Grabenkämpfen verrennen, sondern vielmehr die substanziellen Probleme der extensiven Weidehaltung in Deutschland an die Politik adressieren.

„Die extensive Weidetierhaltung in Deutschland ist eine zukunftsweisende Form der Landwirtschaft und zugleich für den Arten- und Umweltschutz von großer Bedeutung. Wer allerdings jetzt populistisch nach Abschüssen und Wolfs-Obergrenzen schreit, für die es keine gesetzliche Grundlage gibt, lenkt nur von den eigentlichen, strukturellen Problemen ab, mit denen etwa Schafshalter zu kämpfen haben und für die es Lösung braucht“, so Moritz Klose, Wildtier-Referent beim WWF Deutschland. Der Beitrag extensiver Weidehaltung für ökologisch sinnvolle Landschaftspflege hat nach WWF-Einschätzung noch immer einen zu geringen Stellenwert – auch innerhalb der Agrarlobby und der Politik. Zudem ist eine höhere Wertschätzung dieser nachhaltigen Form der Tierhaltung für die Produktion von Lebensmitteln wie Fleisch oder Milch nötig. In seiner Stellungnahme äußert der WWF „großes Verständnis“ für die Ängste und Sorgen der progressiven  Landwirte, die diese nachhaltige Form der Landwirtschaft praktizieren. 

„Interessenvertreter und Politiker sollten sich beim Wolf darüber Gedanken machen, wie sie die flächendeckende Anwendung von Herdenschutzmaßnahmen in Wolfsgebieten noch besser unterstützen können. Es braucht umfangreiche Beratungsangebote für Nutztierhalter, die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen sowie schnelle, unbürokratische Ausgleichszahlungen bei gerissenen Tieren. Hier herrscht dringender Nachholbedarf“, so Klose. Zudem verweist der WWF auf eine Studie aus den USA wonach das Töten von Raubtieren  in fast der Hälfte der untersuchten Fälle zu einer Zunahme der Nutztierrisse geführt hat. (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/fee.1312/full)

Die Forscher zeigen in der Studie, dass es zwar in 30 Prozent der untersuchten Fälle zu einem minimalen Rückgang der Nutztierschäden gekommen ist, dies waren jedoch nur kurzfristige Effekte. Herdenschutzmaßnahmen wie Herdenschutzhunde oder Flatterbänder verringerten demnach die Verluste an Nutztieren in 80 Prozent der Fälle. „Wenn ein erfahrenes Tier aus einem Wolfsrudel abgeschossen wird, kann es seine Erfahrungen mit wachsamen Herdenschutzhunden oder schmerzhaften Elektrozäunen nicht an das Rudel weitergeben“, liefert Moritz Klose eine Erklärung. „Möglicherweise attackieren unerfahrene Jungtiere dann erneut Nutztiere, wenn hier leichte Beute zu machen ist.“

 

Wissenswertes für Nutztierhalter:

 

Wenig Worte zum Thema "Elektronetz", schauen Sie sich lieber das sehr gute Video an!

http://www.berufsschaefer.de/152/#Wolfsvideo

 

Wendelin Schmücker, der neue Vorsitzende des Fördervereins der deutschen Schafhaltung äußert sich wie folgt zu Nutztier-Rissen:

Was ist beim Fund eines Risses (egal ob tot oder verletzt!) zu beachten:
Bitte bewahren sie Ruhe!
Rufen sie den Wolfsberater/ Rißbegutachter an. Der Landkreis hat notfalls die Nummer.
Vorbereitung bis der Wolfsberater kommt:

Eigene Hunde fern halten, totes Tier an Ort und Stelle liegen lassen!

Fotos machen (auch Umgebung und Spuren!) und das tote Tier abdecken (Aludecke, aus dem Hilfe Kasten) Das dient dazu die Temperatur möglichst niedrig halten. Sommerliche Temperaturen schaden einer DNA mehr, als Regen! Die Ergebnisse werden unklar, wenn der Speichel eintrocknet. Der Tupfer zieht dann nur noch trockene Speichelstückchen an und die können abbröseln. Dann ist nichts mehr auswertbar.
Da sie nicht davon ausgehen können das als Verursacher ein Wolf bestätigt werden kann erstatten sie Anzeige gegen Unbekannt.
Bitte sorgen sie dafür das Menschen und Hunde nicht die Spuren z.B. Schleifspuren, Haarbuschel oder andere Beweise zerstören.
Machen sie Fotos vom Zaun, den Riß oder die Verletzung, Trittsiegel, evtl. andere Spuren. Um im Nachhinein die Größe der Spuren in den richtigen Maßstab zu bringen bitte einen Gegenstand auf das Motiv bringen dessen Maße bekannt sind z.B. Perso, Zigarettenschachtel).
Dokumentieren sie sämtliche Zeiten.
Wann haben sie den Riß entdeckt, wann den Wolfsberater angerufen, wann waren die Personen vor Ort? Die meisten Handys haben eine Aufnahmefunktion oder machen sie wieder ein Bild dann haben sie auch die Uhrzeit.
Lassen sie sich eine Visitenkarte von dem Rißbegutachter/Wolfsberater geben.
Dokumentieren sie seine Handlungen. Wo nimmt er die Probe und vor allem WIE? Tupfer sind steril und sollten mit sterilem Wasser feucht gemacht werden.
Eine flächendeckende Abprobung ist wichtig. Die höchste Chance ist bei den Löchern die durch die Zähne hinterlassen wurden und zwischen den Löchern wo die Zunge gewesen sein müßte.
Machen sie eine Kopie von seinem Bericht. Notfalls ein Foto mit dem Handy.
Unterschreiben sie NICHTS!
Rechnungen die sie beim zuständigen Amt einreichen immer Kopieren und per Einschreiben versenden.

Sollten die Weidetiere sich ungewöhnlich verhalten ist es ebenfalls anzuraten nach eventuell vorhandenen Spuren zu suchen! Wölfe kundschaften in der Regel erst einmal aus, bevor sie angreifen.

Während der Wartezeit auf den Wolfsberater Spurensuchemachen: Spuren im Gras (liegt platt), auf dem offenen Boden - auch diese Spuren dokumentieren! Handyfoto, Feuerzeug neben die Spur legen. Das Trittsiegels eines Wolfes entspricht ungefähr dem menschlichen Handteller! Manchmal ist auch Losung zu finden.
Die mittersten Zehen sind nach vorne ausgerichtet.

Haare im Knick und am Zaun!!

Was macht man, wenn der Wolfsberater nicht kommen kann und kein professionelles DNA Entnahme Kit zur Verfügung steht?
Als Tupfer kann man zur Not auch ein normales Q-Tip verwenden. Watteteil nicht berühren.
Anstelle der Verpackung in ein Röhrchen genügt auch ein Tiefkühlbeutel pro Abstrichtupfer, falls nichts anderes zur Hand ist! Dazu die Wundränder abtupfen, möglichst wenig Blut mit aufnehmen.

Es geht hierbei um Schadensersatzansprüche, besonders gegen die Hundehalter. Der Wolfsberater möge dem Tierbesitzer 2-3 Proben geben. Diese können, wenn Senckenberg nichts herausfindet oder Hund herausbekommt an ein privates Labor in der Umgebung z.B. über den Tierarzt gegeben werden. Der Hundehalter kann, wenn er ermittelt werden kann, die Kosten der Untersuchung und den Schaden an dem Tier, schadensersatzpflichtig gemacht werden.
www.wir-lieben-schafe.com